Analyse zum Tornadoverdacht Bad Bramstedt
11.11.2007 ca. 14:30 Uhr

Autor & Copyright: Enrico Öltze

Mein Name ist Enrico Öltze und ich bin geprüftes Mitglied bei Skywarn Deutschland.

Laut Medienangaben kam es am 11.11.2007 in Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein) zu einem Unwetter mit Tornadofolge. Da die Stadt lediglich 40km von mir entfernt liegt, nahm ich es zum Anlass dort heute (12.11.07) am frühen Vormittag vorbei zu fahren.
Meine Recherchen beanspruchten 3 ½ Stunden.

Gegen 9:30 Uhr traf in Bad Bramstedt ein und versuchte telefonisch die Stadtverwaltung zu erreichen um Angaben über die Schadensgebiete zu erhalten. Da man mir dort nicht weiter helfen konnte, da das Amt selber noch keine Infos hatte, gab mir die Handynummer vom Wehrführer der FFW Bad Bramstedt, Herr Oje war so freundlich und hat mir ganz genaue Angaben zu den Schadenspunkten und aufgetretenen Schäden mit geteilt. Dafür nochmals vielen Dank an die FFW.

Da ich nun genau wusste wo ich hin musste fing ich auch schon an mit meinen Recherchen.

Als erstes sehen wir eine Übersichtskarte des betroffenen Gebietes.

Karte übersicht fertig

Auf der Karte sehen wir wie der Verlauf des vermeintlichen Tornados liegt.
Die Nummern geben die Schadensgebiete an. Die Kreise Symbolisieren die größe des Schadensgebiet. Die Schneise hat eine geschätzte Länge von 1100-1200 Metern.

Schauen wir uns die Schadstellen 1 und 2 genauer an:

Karte teil 1 bearbeitet

In der Schadstelle 1, welche sich im Gebiet August-Kühl-Straße und Graf-Stollberg-Straße befindet scheint es zum ersten Bodenkontakt gekommen zu sein. Hier wurden 3 Bäume in Fallrichtung Südost geworfen. 2 weitere Bäume zeigten Astbruch (Äste vom erheblichen Durchmesser) in den Baumkronen. Ein Auto wurde dabei leider zerstört. Zu dem Zeitpunkt wo ich vor Ort war waren die Aufräumarbeiten im vollen Gange. Die gelben Pfeile zeigen die Wurfrichtung der Bäume an und die gelben Punkte die zerstörten Gartenhäuser. Hierzu folgende Zeugenaussagen zu Schadstelle 1.

Zeuge 1: (älterer Herr)
„Ich konnte sehen wie Dachziegel und Laub in einer rotierenden Bewegung nach oben in eine große schwarze Wolke gezogen wurden. Wir hatten bereits schon vorher den Schlauch kommen sehen und haben uns erst dabei nichts gedacht“

Zeuge 2: (Frau mittleren Alters, wohnt 10 Meter von den gestürzten Bäumen gegenüber)
„Ich und mein Lebensgefährte konnten aus den Wohnzimmerfenster beobachten wie eine komische stark Rotierende riesige Kugelartige Erscheinung am Fenster vorbei zog und sahen dann innerhalb von Sekunden die Bäume fallen. Es ging alles sehr schnell innerhalb weniger Sekunden. Danach war der Himmel plötzlich wieder klar.“

Nun sehen wir die Bilder zu dieser Schadstelle:

Bild 1Bild 2
Bild 4
Bild 3
Bild 5Bild 6
Bild 7Bild 8

Auf den Bildern sieht man halt die gebrochen Baumkronen, sowie das unglücklich geparkte Auto.

Gehen wir weiter zur Schadstelle 2. (Berliner Platz)

Hier war auffällig das es den Tag zuvor leicht abgedeckte Dächer gab, welche aber wieder in stand gesetzt wurden. Jedoch gab es erhebliche Zerstörungen von sogenannten Gartenhäusern aus Holz und Metall, welche man im jeden Baumarkt findet. Die Häuser waren zum Teil zerstört oder abgedeckt. Besonders interessant die Aussage das ein Holzhaus komplett angehoben worden war und 10-20 Meter weiter dann auf den Boden zerschellte.
Hier die Zeugenaussagen: (alle Aussagen unabhängig von einander)

Zeuge 1: (Herr mittleren Alters, dieser führte mich durch sein Garten)
„Es war unglaublich, plötzlich zog eine schwarze Wand auf und dann ging es ganz schnell. Dachziegel schleudert quer durch die Luft und blieben zum Teil 3 Häuser weiter im Mauerwerk stecken. Mein Holzschuppen hat es komplett zerlegt (siehe Fotos). Ich konnte sehen wie ein Holzschuppen komplett angehoben wurde, so einige Meter, und dann 10-20 Meter weiter auf den Boden zerschellte. Man konnte regelrecht sehen wie das alles sich im Kreisel bewegte.“

Zeuge 2: (Herr mittleren Alters)
Er berichtete ebenso von den selben Geschehnissen.

Keiner von beiden konnte eindeutig in den engen Häuserwegen einen Schlauch erkennen.

Hier die Bilder vom Schadensgebiet 2:

Bild 9
Bild 10
Bild 11Bild 12
Bild 13Bild 14
Bild 16
Bild 15

Was ganz besonders in dieser sehr dicht bebauten Wohnsiedlung auffiel, war das es wirklich wie ganz Präzise Schnitte aussah. Der eine Schuppen war total zerstört, während einer der 1 Meter daneben steht so gut wie kein Kratzer hat.

Kommen wir nun zum Schadensgebiet Nummer 3,
welches auch das am stärksten betroffene war.

Karte teil 2 bearbeitet

Erläuterung zur Karte:

Der Bereich, welcher Rot umrandet ist, ist das komplette 3. Schadensgebiet. Diese Karte ist von Google Earth leider nicht aktuell. Auf diesem Gelände befindet noch ein sehr junges Wohngebiet für Einfamilienhäuser, welche zum Teil sich auch noch im Bau befinden. Baustellen die bereits ein Dach hatten, hatten zum Teil keine Dachziegel mehr. Die Violette Linie deutet die Zugbahn des vermeintlichen Tornados an. Der Türkise Kreis deutet das Gebiet an, welches die stärksten Schäden abbekommen hat. Die gelbe Linie zeigt die Wurfrichtung eines Dixi-Klos an. Blau ist die Aufsaugstelle und orange die Abwurfstelle. Mehr dazu in der Zeugenaussage.

Zeugenaussage 1: (weiblich, Ihr gehört das am stärksten betroffene Haus)
„Ich war gerade mit meinen Nachbarn draußen vor der Tür bei besten Sonnenschein und haben mit den Kindern gespielt. Plötzlich tauchte eine sehr schwarze Wand vor uns auf. Mit einmal sahen wir wie sich ein Trichter auf uns zu bewegt. Ma konnte ganz deutlich erkennen wie dieser die Dachziegel der umliegenden Häuser aufsaugte und diese sich wie eine Steinwand rings um den Trichter bis zu 100 Meter Höhe wirbelten. Plötzlich sahen wir wie ein Dixi-Klo (war ca. 200-300 Meter entfernt) von den Trichter erfasst wurde und ca. 50-100 Meter nach oben gesogen wurde. Dieses Rotierte ganz kurze Zeit um den Trichter. Wir haben nur schnell die Kinder gepackt und haben uns ins Haus gerettet. In diesem Moment krachte das Dixi-Klo in unser Haus und blieb neben dem Haus liegen.
Ein Freund saß zu diesem Zeitpunkt in seinem Auto vor unserer Tür fest.“
Auf die Frage wie groß der Trichter war antwortet sie: „ca. so breit wie von hier zum nächsten Haus. (sind ca. 50-60 Meter) Nach oben hin soll der Trichter immer mehr an Breite gewonnen haben.

2 weite Zeugen die dann zum Gespräch dazu stießen erzählten genau das selbe.
Ebenso sagte die Zeugin aus, dass sich direkt hinter ihrem Haus der Trichter noch ein großen Baum zu Fall brachte und sich dann auflöste. Dieses kann ich bestätigen da ich in dem direkt angrenzenden Waldgebiet keine Spuren mehr gefunden habe. Im übrigen soll sich der Putz IM Haus von der Zeugin durch Vibrationen gelöst haben. Ebenso soll es sich wie Güterzug angehört haben.

Hier die Bilder aus dem Schadensgebiet 3: (Bringmann-Ring , Achtern Dieck)

Bild 17Bild 18
Bild 19Bild 20
Bild 21Bild 23
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Bild 24
Bild 26Bild 27
Bild 28
Bild 29

Das ist das besagte Dixi-Klo was per Lufttransport ca. 200 Meter befördert wurde.

Das war meine kleine Analyse zu dem Geschehen.

Ich hoffe ich konnte mit dem Bericht dazu beitragen und belegen das es sich um einen Tornado handelte. Indizien dafür sind die unabhängig von einander Ausgesagten Zeugen, dessen Berichte sich sehr ähneln. Ebenso die äußerst Präzise Schadfläche. Ein Haus hat die Hälfte seine Dachpfannen verloren. Das Haus daneben hat kein Kratzer. Ebenso bei den Schuppen, einer total zerstört, 1-2 Meter daneben hat der Schuppen keinen wirklichen Kratzer. Ebenso ist das Schadensfeld sehr eng und lokal begrenzt und weist keine weiten Schadensflächen auf.

Ich hoffe ich habe soweit alles richtig gemacht, da es meine erste ausführliche Analyse ist.

In welcher Stärke ich den vermeintlichen Tornado einstufen muss, kann ich nicht sagen da ich dafür noch nicht wirkliche Vergleichswerte habe. Von daher werde ich dazu auch keine Vermutungen äußern.

Rechtliches:

Die Bilder und dieser Beitrag dürfen gerne verwendet werden, solange mein Name im Copyright deutlich hervorgeht und an den Bildern nichts verändert wird.

Mit freundlichen Grüßen
Enrico Öltze