26.08.2010: Dauerregen & Hochwasser E-Mail
Den ganzen Tag über hatte es am 26. August zum Teil recht ergiebig geregnet. Der Dauerregen dauerte auch während des Abends sowie in der Nacht zum 27. August an. Dies führte zu einer starken Hochwasserlage im Osnabrücker Raum.

Vor allem die Flüsse Hase, Düte und die Werse bereiteten hier vielen Menschen Probleme. Ich selbst wohne in der Nähe der Düte im Ort Wersen, der Fluss kommt auf bis zu 350m Luftlinie an unser Grundstück heran. Eine wirkliche Gefahr bestand für unsere Wohnsiedlung aber nicht, da wir eine ganze Ecke höher sitzen, als der Fluss. Die Düte erreichte hier in Wersen mit 3,55 Metern ihren Höchstand, der alte Rekord wurde damit gleich um 8 cm überboten.

Ich konnte mit meinem Regenmesser mehr als 168 Liter an Niederschlag messen, die in der Zeit zwischen 26.08.2010 (ab Mitternacht) bis 27.08.2010 (18:00 Uhr) gefallen waren. Evt. war es sogar noch etwas mehr, da ich nicht die Menge weiß, die nicht gemessen wurde, da der Messbecher 2x bis zur Oberkante vollgelaufen war, aber nicht zeitnah geleert wurde.

Sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld konnte ich die Auswirkungen dieser gewaltigen Niederschlagsmenge immer wieder beobachten, was ich im folgenden Bericht alles verarbeitet habe. 



Der erste Niederschlag setze bereits gegen Mitternacht vom 25. auf den 26. August 2010 ein. Der Himmel präsentierte sich am Morgen in einem Einheitsgrau mit Dauerregen, der aber noch keine große Intensität hatte.

Ab dem frühen Vormittag wurde der Niederschlag deutlich mehr. Da ich beruflich als PC-Techniker ein paar Außeneinsätze am Vor- und Nachmittag zu erledigen hatte, konnte ich so schon ein paar erste Eindrücke sammeln. Ab dem späten Vormittag wurden die Auswirkungen des zeitweise doch recht massiven Dauerregens spürbar.

So konnte ich bei einem Kunden im Bissendorfer Gewerbegebiet mithören, wie im seinen Ladengeschäft die Laufkundschaft darüber berichtete, wo es bereits erste Auswirkungen im Straßenverkehr gab.

So sammelte sich an einigen Stellen bereits das Wasser auf der Fahrbahn und die Autos fuhren mit großen Wasserfontänen durch die großen Pfützen.





Zurück in der Firma konnte ich sehen, dass im Gewerbegebiet von Osnabrück-Hellern ("Ikea") erste Firmen mit dem Problem "Wasser im Keller" konfrontiert wurden. Während der Mittagspause rief ich bei meinem Mann an, dass er mal den Regenmesser überprüfen sollte. Er berichtete mir, dass er diesen bereits geleert hatte, da er bis zur Oberkante voll war. Damit wurde die Niederschlagsmenge, die ich im Vorfeld erwartet hatte, schon erfüllt. Und der Dauerregen ging munter weiter.

Am Nachmittag hatte ich noch einen Außeneinsatz bei einem Kunden, bevor ich dann gegen 17.30 Uhr Feierabend machen konnte. Die Autofahrt Richtung Wersen ging nur mühsam voran. Immer wieder staute sich der Verkehr im teils recht starken Dauerregen. Im Bereich der Atterstraße gab es ein paar Straßenabschnitte, wo das Wasser nicht mehr abfließen konnte.



Zuhause angekommen war der Rasen knöcheltief mit Wasser bedeckt. So musste ich erstmal ins Haus gehen und Gummistiefel anziehen, um den Regenmesser im Garten zu erreichen. Er war bereits wieder bis zur Oberkante voll und ich leerte ihn aus. Langsam ahnte ich, dass uns dieses Wetterereignis noch die nächsten Tage beschäftigen würde.

Schnell noch einen Blick in die Hecke geworfen, wo wir seit ein paar Wochen einen Igel als Untermieter haben. Den Eingang zu seinem Haufen voller Laub hatte er dichtgemacht, ob er mittlerweile zu einem Seeigel mutierte, konnte ich nicht feststellen.

Der Anrufbeantworter blinke, ein paar Redakteure von privaten TV-Sendern hatten Anfragen hinterlassen, ob man mich begleiten könnte oder ich Personen vermitteln könne, die man bei der "Unwetterfront" und dem "Sturmregen" begleiten könne. Manchmal frage ich mich, was die immer so eine Vorstellung von uns Sturmjägern haben und wie Begriffe wie "Sturmregen" entstehen. So ging der Dauerregen nahezu windstill vonstatten.

Das Radar zeigte ein paar interessante Zellen im Münsterland, die sich an der südlichen Kante des Niederschlagsbandes entwickelten. Ich überlegte erst noch, diese Zellen zu chasen, hatte das Vorhaben dann aber wieder verworfen: Im Dauerregen nach noch mehr Regen zu suchen erschien mir wenig sinnvoll, zumal ich davon ausging, keine nennenswerten Strukturen sehen zu können.



Ich fuhr stattdessen die Flüsse in der näheren Umgebung ab, die bereits bis zur Oberkante voll waren und an den ersten Stellen über die Ufer traten. Angesichts der Tatsache, dass es lt. Radar und Modelprognosen noch die ganze Nacht weiterregnen soll, war schon jetzt klar, dass wir Hochwasser haben werden.

Anruf von meiner Schwester. Bei meinem Elternhaus in Wehrendorf (östlich von Osnabrück) ist der Mühlenbach über die Ufer getreten und habe die komplett umliegenden Wiesen überflutet, was es in dieser ausgeprägten Form noch nicht gegeben hatte. Einige Keller der Nachbarn seien bereits vollgelaufen, bei meinen Eltern selbst zum Glück noch nicht. Meine Schwester und ich blieben erstmal auf Abruf durch die Nachbarn verfügbar, sollte sich die Lage verschlimmern.

Erinnerungen an die Kindheit wurden wach, als ich als Kind und Jugendlicher faszinierend vor dem Bach stand, wenn dieser nach einem Platzregen zu einem kleinen tosenden Flüsschen angewachsen war. Im Laufe des Abends konnte aber wieder Entwarnung gegeben werden, der Pegel stieg nicht weiter an. Dafür drohte in der Nacht das Regenrückhaltebecken zu brechen, ein paar Anwohner des Mühlenbaches wurden bereits evakuriert, in der Straße meines Elternhauses wurden die Bewohner mitten in der Nacht durch Laufsprecherdurchsage darauf vorbereitet, dass sie auch evakuiert werden könnten. Dazu ist es dann zum Glück doch nicht gekommen, das Regenrückhaltebecken konnte stabilisiert werden.

Am nächsten Morgen stand ich frühzeitig auf, um vor Arbeitsbeginn die umliegenden Flüsse abzufahren. Immerhin hatte der Regen während der Nacht etwas nachgelassen. Im Radio gab es die ersten Meldungen, die nichts Gutes verhießen: In Osnabrück wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Viele Straßen und Häuser geflutet. Feuerwehren im Dauereinsatz. Paraceslsus-Klinik mühsam mit Sandsäcken gerettet.

Die Düte war stark über die Ufer getreten. Ein Anwohner kam zu mir, als ich mit meiner Kamera verschiedene Einstellungen filmte und sagte mir während des Gesprächs, dass er so was in den 30 Jahren, seit dem er hier lebt, noch nicht gesehen hatte.

Im Bereich der Mühle Bohle wälzte sich der Fluss als breiter brauner Strom über die Straße hinweg. Ein gewaltiger Anblick, vor allem auch durch den Umstand, dass der Fluss von dieser Position aus gesehen eigentlich hinter dem Mühlengebäude sein Flussbett hat.





Ich bekam eine SMS von meinem Mann. In Georgsmarienhütte-Oesede ist seine Arbeitsstelle nicht erreichbar, das Gebiet der "Alten Seilerei" in Georgsmarienhütte stehe komplett unter Wasser. Hier sind mehrere Geschäfte und Discounter, eine Möbelfabrik sowie ein Kindergarten ansässig. Autos sind fast bis zur Dachkante in den Fluten verschwunden, die Feuerwehr versucht fieberhaft, mit Sandsäcken die Situation zu meistern.

Trotzdem hat es viele Betriebe dort sehr hart getroffen. Ein Spielzeugwarengeschäft hatte den kompletten Keller geflutet gehabt, die dort bereits eingelagerten Spielwaren für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft sind wohl nicht mehr zu gebrauchen. Ein Takko-Modemarkt wurde auch geflutet, gierig saugte der Teppich vom Fußboden das Wasser auf.

Die Möbelwerkstatt in dem Gebiet hatte es besonders hart getroffen, dass Wasser floss durch die gesamte Werkshalle sowie den Büros. Glück im Unglück bei der Arbeitsstelle von meinem Mann, dass Wasser ist nur rund 2 Meter in den Eingangsbereich eingedrungen. Gegen Mittag hatte die Polizei das Gebiet für den Verkehr wieder freigegeben.

Auf dem Weg zur Arbeit konnte ich überall Wiesen und Äcker sehen, auf dem das Wasser knöcheltief stand. Auf der Arbeit dann die ersten Schadensmeldungen und Hilferufe von Kunden: "Wasser im Keller, der Server muss dort weg." Oder "Büros geflutet, wir brauchen neue PCs".

In Osnabrück-Hellern war vor allem die Große Schulstraße sowie die Lengericher Landstraße vom Hochwasser betroffen. Hier waren Gärten und Straßen überflutet, im NOZ-Liveticker hieß es schlicht aber treffend "Unser Fotoreporter steht bis zur Unterhose in den Fluten".







Viele Keller waren vollgelaufen, ein Anwohner winkte mich zu sich und zeigte auf den Keller: "Gleich kannst Du filmen, wie der Stromzähler vom Wasser erreicht wird".



Die Bewohner erzählten mir noch, dass die ganze Nacht über alles ganz gut gegangen sei. Plötzlich sei das Wasser am frühen Morgen dann aber zurückgekommen. Machtlos musste man mit ansehen, wie die Wassermassen in die Keller flossen.






Auch in Osnabrück-Atter war die Situation brenzlig. Die Wassermassen der Düte suchten sich erbarmungslos ihren Weg durch die Siedlung, Feuerwehren aus Vechta versuchten hier so gut es ging, zu helfen. Einige Einzelschicksale gehen besonders ans Herz: Eine Familie hatte vor ein paar Jahren ihr Wohnhaus (Fachwerk) durch einen Brand vollständig verloren, es wurde neu aufgebaut. Jetzt wälzten sich die braunen Wassermassen um das Haus und den Geräteschuppen herum.



Am Abend stattete ich noch mal den Flüssen an meinem Wohnort einen Besuch ab.  Im Bereich der Mühle Bohle war die Situation noch immer dramatisch, der Garten stand noch komplett unter Wasser und die Fluten zogen beidseitig um das Haus herum.





Einen halben Kilometer weiter war an dem Platz, wo ich immer wieder mal schöne Fotos vom Nebel fotografiere, die Situation nicht anders. Auf dem obigen Bild verläuft eigentlich von links unten diagonal nach rechts oben eine Straße. Und bei den Bäumen steht eigentlich auch irgendwo eine Sitzbank rum.

Am Samstag entspannte sich die Lage zum Glück wieder, die Pegel sanken wieder langsam ab. Die Sitzbank schaute mit der Oberkante auch schon wieder vorsichtig aus dem Wasser und viele gesperrte Straßen wurden für den Verkehr freigegeben.



Am Vormittag schien dazu noch die Sonne und der Himmel spiegelte sich in der Seenlandschaft – eine schöne aber auch trügerische Idylle….

 





» 1 Kommentar
1"Wierzbiciki"
am Dienstag, 28. September 2010 21:57von Darius
Schweren Überschwemmungen .. Produzieren Sie sehr gut.
» Kommentar schreiben
E-Mail (wird nicht veröffentlicht)
Name
Titel
Kommentar
 verbleibende Zeichen
Captcha Image Code neu generieren, falls er unlesbar sein sollte