20.05.2012: Ringförmige Sonnenfinsternis E-Mail

Die Vorbereitungen

Die Beobachtung der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 20. Mai 2012 war ein Hauptanliegen der diesjährigen Reise in die USA. Entsprechend wurde schon Monate vorher mit den Vorbereitungen begonnen. Wichtigster Punkte war dabei die Festlegung des Beobachtungsortes. Die folgende Karte zeigt als graue Schattierung den Verlauf der Sonnenfinsternis von Westen (links) kommend Richtung Texas.



Je tiefer man sich im grauen Bereich befindet, desto länger dauert die ringförmige Phase der Sonnenfinsternis, die maximale Dauer hat man somit an der blauen Linie. Viele Nationalparks liegen direkt in der Finsterniszone, so dass sich hier viele schöne Foto- und Videomotive ergeben würden. Es war aber auch schon im Vorfeld absehbar, dass sich dann auch bestimmt hunderte Personen eben mit genau diesem Gedanken dort einfinden würden, daher wurde dieser Gedanke wieder verworfen.

Da ich die Sonne möglichst tief am Horizont haben wollte, wenn die ringförmige Phase eintritt, blieb also nur der Grenzbereich zwischen New Mexico und Texas übrig, da die Sonnenfinsternis hier kurz vor dem Sonnenuntergang ihren Höhepunkt erreicht und die Sonne dann als schmale Sichel untergehen würde. Die Bereiche im westlichen New Mexico sowie Arizona und Utah sollten nur als Notfallbackup dienen, wenn schon einige Tage im Vorfeld abzusehen gewesen wäre, dass das Wetter im Grenzbereich von NM/TX nicht mitspielen würde.



Es began eine wochenlange Suche nach einem passenden Standort. Da die Gegend hier überwiegend flach ist, waren störende Berge schon mal kein großes Thema. Es wurden dann Überlegungen angestellt, wie man eine tief am Horizont stehende Sonne optisch im Bild aufpeppen könnte. So wurde die Suche neben schönen alten Gebäuden auf die klassischen amerikanischen Windräder sowie die typischen Ölpumpen eingegrenzt. Per Google Street View wurden dann in emsiger Arbeit dutzende Straßen und Ortschaften erkundet und eine Liste erstellt, welche Orte und Punkte sich eignen würden.

Am Ende fiel die Auswahl dann auf den Ort Sundown in Texas, hier befinden sich viele Ölpumpen, die sich mit der untergehenden Sonne ins Bild einbringen lassen können. Und da die Sonnenfinsternis zum Sonnenuntergang stattfindet, da war der Ort Sundown vom Namen her doch mehr als passend.

Die Anreise

Am Vortag vor der Sonnenfinsternis waren wir in den USA eingetroffen. Vom Flughafen in Denver ging es mit dem Mietwagen für die erste Übernachtung erstmal etwas südlich nach Pueblo, CO. Am nächsten Tag (also dem Tag der Sonnenfinsternis) ging es dann von Pueblo aus weiter Richtung Sundown in Texas. Das sind rund 700 km, daher sind wir gleich früh am Morgen rechtzeitig losgefahren.

Ein Stein fiel mir vom Herzen, als wir uns langsam der Stadt Las Vegas, NM näherten. Wir befanden uns jetzt in der grauschraffierten Zone der obigen Karte und selbst wenn der Mietwagen jetzt eine Panne haben sollte, wäre die Sonnenfinsternis in trockenen Tüchern, da der weitere Weg Richtung Sundown stets im grauschraffierten Bereich erfolgte. Je näher wir allerdings Texas kamen, desto mehr Quellwolken zeigten sich am Himmel, was mir leichte Kopfschmerzen bereitete.

Unterwegs nahm ich dann noch mit Dennis Oswald und Heiko Wichmann Kontakt auf, da wir uns die Sonnenfinsternis zusammen anschauen wollten. Beide waren bereits seit knapp zwei Wochen in den Staaten zwecks Sturmjagd unterwegs und hatten am Vortag in Kansas sechs Tornados beobachtet und hatten jetzt ebenfalls eine lange Autofahrt vor sich, um Sundown zu erreichen.

Wie es der Zufall wollte, traffen wir dann fast zeitgleich an der Stadthalle von Sundown ein. Der Ort selbst mit rund 1500 Einwohnern hatte nicht viel zu bieten, er lebt wohl vor allem wegen dem hier geförderten Erdöl. Die "Stadthalle" glich von der Größe her einer Doppelgarage (siehe den mit der Maus steuerbaren Ausschnitt unten), da fällt es dann natürlich sofort auf, wenn sich ein paar fremde Personen dort aufhalten, so dass wir Besuch vom Sheriff bekommen hatten. Als wir erklärten, was wir vorhaben, gab er uns freie Bahn und wünschte uns viel Erfolg bei der Beobachtung.


Größere Kartenansicht

Also fuhren wir dann aus Sundown ein paar Meilen Richtung Westen und bogen dann einen staubigen Feldweg Richtung Norden ab und fanden dort dann eine passenden Beobachtungsort. Die Zentrallinie verlief nur wenige Meilen nördlich von uns, wir hatten also einen schönen Logenplatz. Wenn da nicht die Wolken wären. Es waren zwar nicht sonderlich viele am Himmel (mehr Himmel als Wolken), ein paar zeigten aber schon eine deutliche dunkle Färbung der Basis, es bestand durchaus die Möglichkeit, dass sogar der eine oder andere Tropfen aus den Wolken fallen könnte.

Die Finsternis

Nichtsdestotrotz bauten wir unsere aus Foto- und Videokameras bestehende Aufrüstung auf und bereiteten alles vor. Für eine Standortverlagerung war es ohnenhin zu spät, da es mit ein paar wenigen Meilen nicht getan wären, um den Wolken zu entkommen. Die Wolken wurden aber zum Glück langsam kleiner und hatten Auflösungstendenzen, da die Sonneneinstrahlung wegen der zunehmend tiefer stehenden Sonne mehr und mehr nachlies.


Bild: Meine Canon EOS 450D mit Tele-Objektiv und provisorisch befestiger Sonnenfilterfolie.


Bild: Die aufgebaute HD-Videokamera. Man erkennt die in der Sonnenschutzblende untergebrachte Sonnenfilterfolie.

Um 19:31 Uhr Ortszeit (0:31 UT) war es dann endlich soweit, der erste Kontakt war eingetreten, der Mond "knabberte" das erste Stückchen an der Sonne an. Mit jeder weiteren Minute wurde es immer deutlich sichtbarer, dass der Mond mehr und mehr von der Sonnenscheibe bedeckte. Das Klicken der Fotoapparate hallte über die die angrenzenden Felder.


Bild: Wenige Minuten nach dem ersten Kontakt war die Delle in der Sonnenscheibe bereits deutlich zu erkennen.

In der folgenden Stunde wurde die Sonne dann mehr und mehr vom Mond bedeckt. Gleichzeitig näherte sich langsam und gemächlich ein Wolkenfeld, welches der Sonne bedrohlich nahe kam. Erste dünne Wolkenfetzen zogen über die Sonnenscheibe hinweg.


Bild: Zunehmende Verdeckung der Sonne durch den Mond.


Bild: Die Wolken kommen der Sonne bedrohlich nah, lieferten sich ein Katz-und-Maus-Spiel.

Etwa 15 Minuten vor dem Eintreten der ringförmigen Phase hatte die Sonne das Rennen gegen die Wolken dann verloren und  verschwand langsam hinter den Wolken. Da sich die Wolken dummerweise nur seeehr langsam bewegten, wurde es sehr knapp, dass wir wieder rechtzeitig freie Sicht bekommen.


Bild: Die schon zu einem Großteil verfinsterte Sonne verschwindet hinter den Wolken.


Bild: Das Wolkenfeld vor der Sonne.

Uns blieb nichts anderes übrig, als alle Daumen zu drücken, dass die Sonne möglichst rasch wieder freigegeben wird. Die monatelangen Vorbereitungen und alle Planungen drohten in diesem Moment zu zerplatzen. Wir hatten keine andere Wahl, als das Schicksal in Petrus Händen zu legen und abzuwarten.


Bild: Dennis und Heiko beobachten bangend und hoffend die Bewegung der Wolke.

Doch nach unerträglichen 10 Minuten keimte wieder langsam Hoffnung auf. Der Südrand der Sonne schaute genau in dem Moment wieder unter der Wolkenbank hervor, als die ringförmige Phase mit leichtem Perlschnureffekt um 20:34 Uhr Ortszeit (1:34:14 UT) eintrat. Von jetzt an dauerte die ringförmige Phase noch 4m20s an. Stück für Stück wurde die Sonne von den Wolken weiter freigegeben, es wurde spannend!


Bild: Die ringförmige Phase wurde mit einem leichten Perlschnureffekt eingeleitet.


Bild: Stück für Stück zogen die Wolken sich zurück und gaben die verfinsterte Sonne wieder frei.

Dann hatte die Sonne endlich das Rennen gegen die Wolken gewonnen. Am Himmel stand ein Ring aus Feuer, ein unwirklicher und surrealer Anblick. Ich war erstaunt, wie blendend hell die Sonne noch war. Trotz der Tatsache, dass die Sonne mit einer Höhe von rund 1.5° schon recht tief am Horizont stand und fast 87% der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt war, war ein Beobachten ohne Sonnenfinsternisbrille kaum möglich.


Bild: Der "Ring aus Feuer" leuchtet am Abendhimmel in Texas.

Die ringförmige Phase näherte sich langsam dem Ende entgegen. Ich positionierte noch schnell meinen Camcorder ein paar Meter um, damit eine Ölpumpe besser ins Bild passt. Wenige Augenblicke später war es dann soweit, als wunderschöner Perlschnureffekt durchbrach der Mond die östliche Seite vom Sonnenrand, die ringförmige Phase war beendet!


Bild: Perlschnurreffekt, als die ringförmige Phase beendet wird. Bitte auch das Video anschauen, da kommt der Effekt besser rüber.

Die Anspannung wich der Erleichterung, die wochenlangen Vorbereitungen und die Ortsauswahl waren ein Erfolg. Vor lauter Freude jaulte ich meine Begeisterung heraus, was ein paar Sekunden später von sich in der Nähe befindlichen Kojoten erwidert wurde - man möge sich dazu auch das Video anschauen... ;-)

Als schöne messerscharfe Sichel senkte sich die Sonne neben einer arbeitender Ölpumpe langsam dem Horizont entgegen, einfach nur ein herrlicher Anblick.


Bild: Die Sonne als messerscharfe Sichel neben einer Ölpumpe


Bild: Das ganze noch als Panorama-Anblick.


Bild: Kurz vor Sonnenuntergang ein letztes Foto...


Bild: ...bevor die Sonnensichel dann hinter dem Horizont versinkte.

Damit konnte die Beobachtung der Sonnenfinsternis als voller Erfolg verbucht werden. Die lange Vorbereitungszeit hatte sich bezahlt gemacht und trotz zwischenzeitlichen Ärger mit Wolken war das Himmelsschauspiel ein eindrucksvolles Erlebnis. Und wir konnten einen weiteren Haken auf der Liste von den "100 Dingen, die man als Mensch erlebt haben sollte" setzen... ;-)

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