29.03.2006: Totale Sonnenfinsternis Türkei E-Mail
Eine totale Sonnenfinsternis gehört mit zu den eindrucksvollsten Erscheinungen, die es am Himmel zu beobachten gibt. War es früher nur wenigen Menschen gegönnt, eine totale Sonnenfinternis erleben zu können, so ist dies in der heutigen Zeit zum Glück anders.


Panorama im Kernschatten. Das Bild der verfinsterten Sonne wurde ins Bild retuschiert.

Nahezu spontan hatte ich mich dazu entschlossen, die Sonnenfinsternis in der Türkei zu beobachten. Ein darauf spezialisierter Reiseveranstalter bot eine 1-Tagesreise in die Türkei an.

28. März 2006: Dienstag morgens um 9 Uhr klingelte mein Wecker. Rasch stand ich auf, um den noch verbleibenden Tag für die Vorbereitungen für die 1-Tagesreise in die Türkei zu nutzen, die um 22.30 Uhr von Hamburg aus über Frankfurt nach Konya losgehen sollte.. Nach der morgendlichen Dusche setzte ich mich an den PC, um die aktuellen Wetterberechnungen für die Türkei zu betrachten.

Das Telefon klingelte und ein Journalist meldete sich zu Wort und stellte Fragen zum Hamburger Tornado, der am Tag zuvor in den abendlichen Stunden aufgetreten war. Mist, dieses Ereignis hatte ich ja wegen der SoFi komplett vergessen. Während ich noch mit dem Journalisten sprach, klopfte bereits ein weiteres Gespräch an der Leitung, wieder ein Redakteur, der ein paar Informationen zum Tornadofall in Hamburg haben wollte. Ich ahnte, dass es mit den Vorbereitungen zur Sonnenfinsternis erst mal nichts werden wird und tatsächlich kam ich erst ab 12 Uhr dazu, mich der SoFi zuzuwenden, als alle Medienanfragen abgewickelt waren.

Ich ging noch mal meine Ausrüstung (bestehend aus 2 Camcordern nebst Stativen, Notebook, Handy, Digicam und Verpflegung) durch und packte meine Sachen zusammen. Kurz nach 18 Uhr brach ich von Osnabrück aus in Richtung Hamburg los. Der CheckIn verlief ohne große Probleme – mal davon abgesehen, dass der Metalldetektor mich besonders gern mochte und hartnäckig piepte.

Im Wartesaal lernte man erste Leute kennen, die ebenfalls die Sonnenfinsternis beobachten wollten und auf den Flieger warteten. Kurz nach 22 Uhr konnten wir den Flieger dann endlich betreten, es dauerte aber noch ein paar Minuten, bis die Boing 757 sich dann endlich in Bewegung versetzte – eine kleine technische Panne war dafür verantwortlich, wie uns der Kapitän per Borddurchsage mitteilte. Nach ein paar Minuten blieben wir aber erneut in einer Parkposition stehen, ein weiteres Problem war aufgetreten. Ein Technikerwagen kam angebraust und Flugzeugmechaniker arbeiten emsig am Flugzeug rum. Die Minuten verstrichen, ein zweiter und dritter Technikerwagen kam angefahren, weitere Techniker stiegen aus und brachten Ersatzteile. Weitere Minuten verstrichen und der Kapitän gab durch, dass es nicht gut aussieht, was die Behebung des Problems angeht.

Kurz nach Mitternacht wurde die Aktion dann abgebrochen. Der Kapitän kam persönlich zu uns und erklärte, dass das technische Problem nicht behoben werden konnte. Da um Mitternacht die Sondergenehmigung für den Nachtflug (Hamburg hat Nachtflugverbot) abgelaufen war, gab es dadurch eh keine Möglichkeit mehr, den Flug anzutreten. Jedenfalls nicht von Hamburg aus.

Die Stimmung war erst mal etwas angeknackst, denn es bestand durchaus auch die Möglichkeit, dass die Reise an dieser Stelle bereits wieder zuende gewesen wäre. Sowohl die Fluggesellschaft als auch der Reiseveranstalter telefonierten emsig, um eine Lösung zu finden. Die wurde dann auch gefunden. Wir wurden mit Taxibussen nach Hannover gebracht, von Frankfurt aus startete eine Ersatzmaschine, machte einen Schwenker über Hannover und nahm uns mit und um 5 Uhr befanden wir uns auf den Weg nach Konya.

Der ganze Stress wurde dann allerdings mit einem genialen Sonnenaufgang über den Wolken belohnt, bei dieser Gelegenheit traf ich dann auch gleich auf Jürgen Vollmer (astrowetter.com), der von seinem Sitzplatz aus alles genau beobachten konnte. Nach etwas mehr als drei Stunden Flugzeit landeten wir dann in Konya, eine große Erleichterung, lag der Flughafen doch mitten in der Totalitätszone und die Sonnenfinsternis war somit in trockenen Tüchern.



Wie fuhren dann in einer Kolonne von fünf oder sechs Reisebussen zu unserem Beobachtungsstandort rund eine Stunde Fahrzeit von Konya entfernt mitten in der anatolischen Hochebene. Hier gab es nur spärlichen Pflanzenwuchs, keine Bäume und kaum Tiere.

Am Beobachtungsort angekommen suchte ich zusammen mit Markus Burch einen geeigneten Beobachtungsplatz. In einigen hundert Metern Entfernung streckte sich ein größerer Hügel in die Höhe, den wir dann hochgelaufen sind. Das war eine recht anstrengende Sache, schließlich mussten wir unsere ganze Ausrüstung auch noch mitschleppen und da werden die milden 21°C Lufttemperatur sehr schnell zur Strapaze.



Oben angenommen konnten wir aber eine grandiose Aussicht über die Hochebene genießen. Besucher aus ganz Europa hatten sich hier zusammengerottet, um das bevorstehende Spektakel zu beobachten.



Ich überprüfte mein Handy. Trotz der weiten Einöde hatte man auf dem Berg schwachen Handyempfang. Ich startete mein Notebook und hatte erst mal Mühe, auf dem Display etwas zu erkennen, da die Sonne stark am scheinen war. Einen Baum oder andere schattenspendende Gegenstände gab es leider nicht, als verschanzte ich mich unter der Kapuzenjacke vor dem Display und schickte eine kurze Grußbotschaft ins WZ-Forum ab. Dann bauten wir unsere Aufrüstung auf und warteten ab.




Markus Burch

Gegen 11.45 MESZ (12.45 türkische Ortszeit) begann schließlich die Sonnenfinsternis, eine kleine Ecke der Sonne war angeknabbert. Ein paar Cirruswolken hangen über den Himmel und verharrten vor der Sonne. Die Sicht wurde dadurch geringfügig eingetrübt, beobachten war aber noch weiterhin möglich.



Von Minute zu Minute wurde die Delle größer und deutlicher sichtbar. Die Menschen schauten immer wieder mit ihren Finsternisbrillen zur Sonne hinauf und bestaunten die schrumpfende Sonne. Eine niederländische Reisegruppe projezierte mit einem Fernglas das Bild der Sonne auf ein Stück Papier. Andere machten es sich einfach auf dem steinigen Untergrund gemütlich.





Eine Stunde später machte sich der Temperaturrückgang schon deutlich bemerkbar und man merkte, dass dort oben etwas vor sich ging. Die Farben wurden allmählich blasser und konturloser, die Farbtemperatur veränderte sich mehr und mehr. Die Vorfreude auf dieses Ereignis wurde größer und größer. Wenige Minuten vor der Finsternis war eine hauchdünne Sichel am Himmel zu sehen. Die Helligkeit ging mehr und mehr zurück und der heranrasende Mondschatten machte sich am Horizont bemerkbar.



Dann wurde die Sonnensichel zunehmend kleiner und ich riss den Sonnenfilter vom Objektiv der Videokamera. Der Mondschatten raste über die Berge und den Himmel auf uns zu und die Sonnensichel zerfiel in einzelne Lichtpunkte, es wurde dunkel und kurz vor 13 Uhr MESZ wurde die Sicht auf die Kornona frei, die Totalität war eingetreten.



Die Menschen auf den Hügel applaudierten und ich blickte durch den Sucher meiner Videokamera. Deutlich zeigten sich im Norden der verdeckten Sonne rotschimmernde Protuberanzen. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet und ich musste meiner Begeisterung freien Lauf lassen:



"Ich seh Protuberanzen am nördlichen Rand – boah, ist das geil!" hallte es über den Berg (entsprechende Sequenz wurde im Video geschnitten und übertont).

Ich filmte noch ein paar Sekunden weiter und blickte dann umher. Nahezu der gesamte Horizont war gelb-rötlich am leuchten durch die weiter entfernt am Himmel stehenden Cirruswolken, die nicht im Kernschatten lagen.



Die Venus war deutlich sichtbar am Himmel zu erkennen, andere Sterne waren dagegen wegen den leichten Cirrenschleier kaum zu sehen. Das ganze war eine grandiose Himmelsdarbietung, welche sich kaum in Worte fassen lässt. Der Wind ebbte während der Totalität nahezu vollständig ab und die Temperatur sank zum Ende der Totalität auf 14°C herab.





Nach rund 3m40s war das Spektakel dann auch schon wieder vorbei. Die ersten Sonnenstrahlen brachen durch die Mondtäler und zauberten für einen kurzen Moment den bekannten Diamantring in den Himmel.



Der Mondschatten raste vom Aussehen her wie eine dunkle Wolkenwand in rasender Geschwindigkeit weiter zum Horizont und verschwand.

Eine schmale Sonnensichel stand wieder am Himmel und es wurde schnell wieder deutlich heller. Die Temperatur blieb noch ein paar Minuten bei 14°C stehen, der Wind nahm langsam wieder zu – die gefühlte Temperatur lag bei etwa 8°C, der Wind wirkte ungemütlich kühl.

Langsam wurde es dann aber wieder wärmer und ich setze eine weitere Nachricht ins WZ-Forum ab: "Gott sprach: Es werde Nacht – und es ward Nacht". Wir beobachteten noch eine Weile weiter und bauten dann unsere Geräte ab. Wir waren fast die letzten Leute auf dem Hügel und machten uns zurück zum wartenden Bus. Müde und erschöpft, aber auch unheimlich glücklich, so verrückt gewesen zu sein, eine spontane Reise in die Türkei zu machen.

Der Heimflug wurde nochmal etwas aufregender. Da wir ja schon verspätet in Konya gelandet waren, konnten die Piloten auch erst später als ursprünglich geplant abfliegen (zwischen zwei Flügen müssen 12 Stunden Pause liegen). Dadurch war die Landung in Hamburg (nach Zwischenlandung in Frankfurt) nicht mehr möglich, weil das Nachtflugverbot dann wieder galt. Also wurde die Gruppe der Hamburger (etwa 20 Personen) mit einem Reisebus von Frankfurt aus nach Hamburg gefahren. Gegen 6 Uhr morgens trafen wir dort dann endlich ein und ich trat meine zwei Autostunden Heimfahrt Richtung Osnabrück an...

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