26.05.2009: Rollcloud und Hagel bei Emsbüren E-Mail
Für den heutigen Tag war eine große Unwetterlage vorausgesagt. Gegen 5:00 Uhr morgens wachte ich durch meinen inneren "Gewitterinstinkt" plötzlich auf und war irgendwie unruhig. Ich schaute aus dem Fenster und konnte die energieträchtige Luft quasi riechen. Nordöstlich von Wersen (bei Osnabrück) schoßen die ersten Quellwolken nach oben. Ich schaltete den PC an und schaute mir das Wetterradar an.



Das Radar zeigte einige starke Gewitter über den Niederlanden, die auch die deutsche Grenze überschreiten würden. Und nordöstlich von Osnabrück war es ebenfalls kräftig am brodeln. Eine erste Abschätzung der Zugeschwindigkeit der Zellen bei Osnabrück zeigte aber, dass diese recht flott unterwegs waren und es recht schwer werden würde, diese einzuholen. Ich entschloß mich daher, über die A30 Richtung niederländische Grenze zu fahren, da laut dem Radar dort die Möglichkeit bestand, weitere aufziehende Zellen zu erhaschen.

Zuerst beobachtete ich aber noch die Zellen bei Osnabrück vom Fenster aus. Die Gewitterwolke gewann rasch an Höhe und wurde dann von der frisch aufgegangenen Sonne in warmen gelben und orangen Farbtönen angestrahlt.



Durch die Sonne warf der Cumulonimbus einen gewaltigen Schatten in den westlichen Himmelsabschnitt, wie das folgende Bild ansatzweise zeigt.



Dieses optisch beeindruckende Spektakel wurde auch von der Webcam eingefangen. Man sieht sehr deutlich die scharfe gerade Linie vom Schattenwurf des Cb.



Über den folgenden Link können Sie sich eine kleine Animation der Webcam anschauen: Animation laden.

Dann packte ich meine Sachen zusammen, setzte mich ins Auto, warf noch einen letzten Blick zur abziehenden Zelle, die mittlerweile einen Eisschirm gebildet hatte und fuhr dann los.



Die Fahrt über die Autobahn in Richtung niederländische Grenze ging recht flott, es waren nur wenige Autofahrer unterwegs, lediglich ein paar LKW-Fahrer strapazierten etwas die Geduld mit Elefantenrennen. Kurz hinter Rheine fiel mir dann in westliche Richtung eine Wolkenformation auf, die anfangs sehr einer Shelfcloud ähnelte. Laut Radar waren zu dem Zeitpunkt aber die nächstgelegenen Zellen noch mindestens 15 km entfernt.

Ich fuhr die Abfahrt Salzbergen raus und suchte fieberhaft nach einem freien Aussichtspunkt. In der ländlichen Siedlung "Ahlde" nördlich von Salzbergen wurde ich dann fündig. Zwar verlief hier eine Hochspannungstrasse etwas störend entlang, für eine weitere Suche nach einem besseren Aussichtspunkt blieb aber keine Zeit, da sich das Gebilde (welches ich als eine "Roll Cloud" definieren würde) rasch näherte.

Das Tempo der aufziehenden Roll Cloud war beachtlich. Etwas hektisch versuchte ich mit meiner nur wenige Tage alten neuen Kamera (Canon EOS 450D) ein paar Fotos zu machen. Mir fehlte noch etwas die praktische Erfahrung im Umgang mit dieser Kamera und so versuchte ich, das beste aus der Situation rauszuholen. Gleichzeitig durfte ich auch nicht vergessen, ein paar Videosequenzen einzufangen (das Panoramabild lässt sich per Mausklick auf eine größere Ansicht umschalten).





Als sie den Zenith erreichte, wurde auch der Wind deutlich stärker und brach sich pfeifend an einer Telefonleitung, die parallel zur Straße verlief. Es war jetzt ziemlich genau 6:05 Uhr am frühen Morgen. Nur wenige Menschen werden dieses Schauspiel wohl beobachtet haben, als die Roll Cloud weiter Richtung Osten abzog.



Interessanter Nebenaspekt: Gegen 6:50 Uhr erreichte die Roll Cloud dann Wersen bei Osnabrück. Sie zog dabei direkt vor der Webcam auf. Anhand der Zeitdifferenz zwischen der Beobachtung von meinem Standort bei Salzbergen sowie dem Zeitstempel der Webcam lässt sich unter Zuhilfenahme der Entfernung beider Orte die ungefähre "Reisegeschwindigkeit" der Roll Cloud ermitteln. Sie betrug demnach rund 60 km/h.



Als die Roll Cloud bei Salzbergen durchgezogen war, schaute ich wieder aufs Radar, um die nächsten Schritte zu bestimmen. Auf Emsbüren (Autobahnkreuz A30/A31) zog eine kleine aber intensive Zelle zu, die ich mir näher anschauen wollte.



Ich fuhr über die A30 auf die A31 Richtung Emden, gleich die nächste Ausfahrt Emsbüren dann wieder raus und machte einen Stopp auf den "Mitfahrerparkplatz" in direkter Nähe der Abfahrt. Der Himmel zeigte sich in einem unauffälligem Einheitsgrau, lediglich in nordwestlicher Richtung war es etwas dunkler (der Zellkomplex bei der Grafschaft Bentheim) und ein paar entfernte Blitze zeigten sich. Auf die aufziehende Zelle aus südwestlicher Richtung deutete aber nichts hin.


Es war kurz nach 6:30 Uhr, ich zog mir ein neues Radarupdate, die Zelle müsste nun eigentlich fast hier sein. Der Himmel zeigte sich aber weiterhin unaufällig und nichts deutete darauf hin, dass es gleich Gewittern könnte. Lediglich leichter Niederschlag hatte mittlerweile eingesetzt.



Plötzlich machte es "Plong", irgendetwas war an meine linke Autotür gefallen, so als ob man einen  Kieselstein geworfen hätte. Es vergingen rund 20 Sekunden, ohne dass weiter etwas passierte. Dann setzte ein Hagelschauer ein, einzelne Körner erreichten dabei knapp über 2 cm Durchmesser. Es ist immer wieder erstaunlich, wie selbst kleine Hagelkörner polternd eine Geräuschkulisse hevorrufen können, dass man schon bald Angst um das Auto bekommt. Aus meinem Seitenfenster heraus konnte ich beobachten, wie die Hagelkörner auf die Straße prasselten, teilweise wieder abprallend kreuz und quer davon hüpfend.



Nach wenigen Minuten war der "Spuk aus heiterem Himmel" dann wieder vorbei. Ich wartete noch ein paar Minuten ab (Blitzschlaggefahr) und machte dann ein paar Aufnahmen von den Hagelkörnern.






Laut dem Radar hatte sich die Zelle dann wenige Minuten später deutlich abgeschwächt und war dann gestorben. Ich hatte also noch gerade so Glück gehabt, von der Zelle was abzubekommen. Für den "Kick am Morgen" war das daher ein schönes Gewitter und das frühe Aufstehen hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Ich fuhr dann wieder zurück und war dann - etwas verfrüht - auf der Arbeit erschienen.

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» 1 Kommentar
1":O"
am Sonntag, 12. Juli 2009 12:13von Lola
Wahnsinn. Das Hagel-Video ist der Hammer, aber das kann Beulen geben, ich hätte mein auto vorsichtshalber mit ner Decke überdeckt. ;p 
Beeindruckende Dokumentationen.
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